Eggert hatte dies als Gemeindepfarrer in Obyin an der deutsch-tschechischen Grenze und als Studentenpfarrer in Zittau erlebt: Als er im Reformationsgottesdienst 1988 vor den Studenten in Zittau die Frage stellte: „Vor welchen Bildern liegen wir? - Vor denen, der sich durch Paraden und Fackelzügen präsentierenden Macht…?“, da schreiben einige mit: Die einen „ für sich zum Nachdenken und zur Bewahrung, andere für ihren Bericht an die Staatssicherheit.“
Als Eggert nun 20 Jahre nach dem Fall der innerdeutschen Grenze zum Reformationsgottesdienst in die voll besetzte Troisdorfer Stadtkirche kam, da berichtete er nicht nur aus der Zeit der Wende, sondern stellte erneut die Frage: „Vor welchen Bildern liegen wir?“
Dabei warf er einen kritischen Blick auf die Wohlstandsgläubigkeit der Deutschen in ihrem wiedervereinigen Land, festzumachen unter anderem daran, dass bis heute hin die Wiedervereinigung immer noch an ihren Kosten gemessen wird: „Was darf es eigentlich kosten - 16 Millionen Menschen aus einem unwürdigen menschenverachtenden totalitären Staatsgefüge herauszuholen?“ fragte Eggert.
In der bloßen Orientierung an Wohlstand sei eine Gefahr für die Demokratie zu sehen: „Wir müssen dringend über die Verbindung zwischen Wohlstand und Demokratie nachdenken.“, mahnte der ehemalige sächsische Innenminister, Landtagsabgeordnete a.D. und einst stellvertretender Bundesvorsitzender der CDU. „Es wäre verhängnisvoll, wenn die Menschen zu dem Entschluss kämen, dass die Demokratie nichts taugt, weil einzig ihr grenzenloses Wohlstandsbedürfnis nicht erfüllt werden kann.“
Demgegenüber macht er Mut zum gesellschaftlichen Engagement: „Wie wäre es denn mit dem Satz (ganz frei nach Luther): Klar werde ich mich einsetzen. Hier stehe ich und kann nicht anders. Weil Gott mir hilft!“
Eggert predigte auf Einladung der beiden evangelischen Kirchengemeinden der größten Stadt im Rhein-Sieg-Kreis, die erstmals den Reformationstag mit einem gemeinsamen Gottesdienst feierten. Der Reformationstag erinnert an die Veröffentlichung der 95 Thesen Martin Luthers gegen den Ablasshandel, mit denen die Reformation ihren Anfang nahm. |